Viele wissen es – und ich stehe auch dazu: Ich bin Fan der New England Patriots.
Nicht, weil sie jahrelang so erfolgreich waren. Sondern weil sie etwas verkörpern, das im Business genauso selten wie entscheidend ist: Konsequenz, Haltung und Durchhaltevermögen.
American Football ist für mich aber mehr als ein Sport, den ich sonntags auf dem Sofa verfolge. Er ist Teil meiner Familie geworden.
Mein jüngster Sohn Sebastian hat über Jahre American Football gespielt – bei den Blue Devils in Hamburg und später bei den NewYorker Lions in Braunschweig. Mit allem, was dazugehört: harte Trainings, Schmerzen, Rückschläge, Erfolge (Deutscher Meister 2019) – und am Ende auch eine Knieverletzung, die seine aktive Karriere beendet hat.
Als Vater stehst du dann daneben. Du kannst nicht helfen. Du kannst nichts abnehmen. Du kannst nur beobachten.
Und genau dabei habe ich mehr über „Never give up“ und Self-Commitment/Selbstverpflichtung gelernt als in jedem Business-Seminar.
„Never give up“ im Business – warum die meisten zu früh aufgeben
Vielleicht erinnerst du dich noch an den Super Bowl 2017: New England Patriots gegen die Atlanta Falcons.
Mitte des dritten Quarters stand es 3:28. Für mich als Patriots-Fan war das kaum auszuhalten. Dieses Spiel tat weh. Und ganz ehrlich: Ich war kurz davor, frustriert ins Bett zu gehen.
Bin ich aber nicht.
Ich bin drangeblieben – genauso wie die Patriots.
Was dann folgte, ist Geschichte: Sie haben das Spiel gedreht und in der Verlängerung gewonnen. Nicht, weil plötzlich alles leicht war. Sondern weil sie aufgehört haben, sich vom Zwischenstand definieren zu lassen.
Und genau das fehlt im Mittelstand oft.
Ich erlebe viele Unternehmen, die nicht an fehlenden Ideen scheitern. Sondern daran, dass sie nachlassen, sobald es unbequem wird.
Nach der ersten Euphorie. Nach der ersten Krise. Nach den ersten Widerständen.
Dann beginnt das innere Umschalten. Der Fokus wandert weiter. Neue Ideen wirken plötzlich attraktiver als die mühsame Umsetzung der alten. Nicht, weil sie besser sind – sondern weil sie sich leichter anfühlen.
Im Football gibt es dafür ein klares Bild:
👉 Du spielst nicht gegen den Gegner – du spielst gegen die Zeit.
Wer es nicht schafft, über längere Zeit konsequent zu bleiben, verliert irgendwann. Oft ohne einen klaren Gegenspieler. Einfach, weil die Uhr weiterläuft.
„Never give up“ heißt im Business: dranbleiben, wenn es unsexy wird
Unternehmer sind visionäre Menschen. Sie lieben Neues. Ideen, Projekte, Chancen – all das gibt Energie.
Was dagegen kaum jemand liebt, sind die Dinge, die wirklich Wirkung entfalten:
Routinen, Wiederholungen, konsequente Umsetzung.
„Never give up“ zeigt sich nicht dann, wenn du über Visionen sprichst. Es zeigt sich im Alltag. Genau dort, wo es anfängt zu nerven.
Wenn Prozesse sich ziehen. Wenn Mitarbeiter nicht sofort mitgehen. Wenn Ergebnisse länger auf sich warten lassen als geplant.
Aufgeben passiert dabei selten laut. Kaum jemand sagt: „Ich höre jetzt auf.“
👉 Aufgeben passiert leise – durch Nachlässigkeit.
Ein Meeting wird verschoben. Ein Standard nicht eingefordert. Ein Konflikt vertagt.
Und genau hier entscheidet sich, ob Führung wirksam bleibt oder langsam an Kraft verliert.
Deshalb mein Appell an dich: Bleib dran. Nicht aus Sturheit – sondern aus Haltung.
Self-Commitment: Der Unternehmer ist immer der Maßstab
Im Football war für meinen Sohn eines glasklar: Niemand kontrolliert dich wirklich. Niemand steht morgens neben dir und zwingt dich ins Training.
Gerade deshalb trennt sich dort sehr schnell die Spreu vom Weizen. Die einen trainieren, weil sie müssen. Die anderen, weil sie sich selbst dazu verpflichtet haben.
Im Business ist es nicht anders.
Der Unternehmer setzt den Maßstab. Nicht durch Worte, sondern durch Verhalten. Jeden Tag.
Er entscheidet, wie klar geführt wird. Wie verbindlich Absprachen wirklich sind. Und wie ernst Standards gemeint sind.
Self-Commitment heißt:
👉 Ich lebe vor, was ich erwarte.
Nicht perfekt. Aber konsequent.
Warum Mitarbeiter niemals stärker committed sind als ihr Chef
Das ist ein unbequemer Satz – aber er stimmt:
👉 Dein Team ist nie disziplinierter als du selbst.
Wenn du Dinge schleifen lässt, Konflikte vermeidest oder Entscheidungen aufschiebst, dann tut dein Team das auch. Das ist leider auch eine eigene leidvolle Erfahrung!
Die tun das nicht aus bösem Willen. Sondern weil Verhalten immer stärker wirkt als jede Ansprache.
Mitarbeiter orientieren sich nicht an Leitbildern, sondern an dem, was sie täglich erleben. An dem, was du vorlebst – und an dem, was du durchgehen lässt.
Self-Commitment/ Selbstverpflichtung ist deshalb nichts Abstraktes. Es ist Führung durch Haltung.
Zwei konkrete Impulse für dich als Unternehmer
Zum Abschluss ganz praktisch – zwei Fragen, die mehr bewirken als jede neue Strategie:
Erstens: Wo gibst du innerlich gerade auf? Nicht offiziell, nicht sichtbar – sondern leise.
Und zweitens: Wo fehlt dir im Moment klare Selbstverpflichtung? In deiner Führung, in deinen Prozessen, in der Kommunikation oder in der Struktur?
Genau hier entscheidet sich, ob du langfristig gewinnst. Im Business wie im Football.
Viele Grüße,
Peter
Noch ein persönlicher Tipp:
Wer die amerikanische Zusammenfassung des Superbowl 2017 mal anschauen möchte, hier ist ein super spannender YouTube Beitrag dazu, 20 min super emotional!
https://www.youtube.com/watch?v=aV5l1G_1hxY
1 Kommentar
Zu den beiden Fragen am Ende:
1. Wo gibst du innerlich gerade auf?
Wir alle kennen diese leisen Momente, in denen Standards verrutschen, Meetings verschoben werden oder Konflikte nicht angesprochen werden. Doch genau dort entscheidet sich, ob wir als Führungskraft wachsen oder stagnieren. Wenn wir uns ehrlich fragen, wo wir in kleinen Dingen nachlassen, erkennen wir gleichzeitig die Chancen für nachhaltige Veränderung. Nicht das große Scheitern, sondern das tägliche Nachlassen ist der eigentliche Gegner.
2. Wo fehlt dir im Moment klare Selbstverpflichtung?
Selbstverpflichtung beginnt im eigenen Verhalten: Was nehme ich ernst? Welche Prozesse lebe ich vor? Welchen Standards weiche ich noch aus? Sobald wir diese Bereiche identifizieren und bewusst gestalten, steigt nicht nur unsere Wirksamkeit als Unternehmer, sondern auch das Vertrauen im Team. Gute Führung beginnt dort, wo wir uns selbst messen – nicht an Zahlen, sondern an unserem täglichen Handeln.
Gerade im Mittelstand zählt, wer konsequent dranbleibt, auch wenn es unbequem wird. Danke für diesen wertvollen Impuls und besonderen Dank für dein hilfreiches Coaching bei uns im Betrieb!
Was denkst du?